Tauch- & Badeparadies Neufelder See

Die pannonische Tiefebene des österreichischen Burgenlandes kann nicht nur mit edlen Qualitätsweinen aufwarten, sondern auch mit einem Tauchgewässer par excellence. Im sonnenverwöhnten milden Klima, nahe der Grenze zu Ungarn, liegt einer der meistbetauchten Seen Österreichs - der Neufeldersee.

Der Neufelder See gilt als Naherholungsziel, Bade- und Tauchgewässer ersten Ranges.
Der Neufelder See gilt als Naherholungsziel, Bade- und Tauchgewässer ersten Ranges.

Der ehemalige Braunkohletagbau füllte sich in den vergangenen 70 Jahren langsam mit Wasser und hat sich mittlerweile zu einem Freizeitparadies ersten Ranges entwickelt. Nicht nur die Sonnenanbeter, Badewilligen, Surfer und Segler der nahen Millionenstadt Wien kommen hier auf ihre Kosten, auch den Tauchern aus In- und Ausland wird einiges geboten. Neben zahlreichen Taucherplattformen für sichere und umweltschonende Ausbildung, lockt eine einzigartige Zusammenstellung von Fauna und Flora. Der großteils flach abfallende, mit vielen Hügeln und auch der ein oder anderen kleinen Steilwand durchsetzte Seegrund ist weitflächig mit Armleuchteralgen, aber auch Laichkräutern und Tausendblatt bewachsen. Der reichhaltige Fischbesatz erfreut nicht nur Hobbyangler, denn die an Luftblasen gewöhnten Schuppenträger sind außerordentlich zutraulich. So kommt es schon mal vor. daß sich eine ganze Schule kapitaler Karpfen aus der Nähe beobachten läßt. Aber auch Zander, Hecht, Barsch und Aal zeigen wenig Scheu. Seltenheiten wie kaum verbreitete Grundelarten, Bitterlinge oder gar den amerikanischen Sonnenbarsch bekommt man freilich nicht so oft zu Gesicht. Die Hauptattraktion des Gewässers ist allerdings kein Fisch, sondern ein Krebs. Der Neufeldersee kann mit einer unwahrscheinlich großen Population an den amerikanischen Signalkrebsen aufwarten!

Signalkrebse erkennt man leicht an der leuchtend hellen Färbung zwischen den Scherengelenken.
Signalkrebse erkennt man leicht an der leuchtend hellen Färbung zwischen den Scherengelenken.

An manchen Stellen im See findet man auf jedem Quadratmeter mindestens ein Krebsloch, die Wohnhöhle der Panzerträger. Die Männchen der wuchtigen Erscheinungen werden hier bis über 20 cm lang und erinnern an die Miniaturausgabe eines Hummers. Entgegen ihrem normalen Lebenswandel kann man die nachtaktiven Herrscher des Neufeldersees oft auch bei Tag frei über den Boden marschieren sehen. Ihren ebenfalls nachtaktiven Hauptfeind, den Aal brauchen sie dann nicht zu fürchten.

Auch an Barschen mangelt es im See nicht.
Auch an Barschen mangelt es im See nicht.

Blubbernd schließt sich die Wasseroberfläche über unseren Köpfen. Die Sicht ist für ein vielbetauchtes Süßgewässer überraschend gut. Langsam paddeln wir über den flach abfallenden Sandgrund. Die Richtung stimmt! Schon von Weitem lassen sich die Umrisse des Wracks ausmachen. Zwar ruht hier keine Titanic, sondern nur ein versunkenes Elektroboot. aber trotzdem lohnt der Weg. Denn schon da in knapp 5 m Tiefe, entdecken wir die ersten Krebse! Unter dem Schiff haben sie ihre Wohnhöhlen in den weichen Bodengrund gegraben, aber auch daneben und sogar innen drinnen krabbeln die Scherenträger herum. Wir lassen Boot und Krebse hinter uns und tauchen eine steile Böschung hinab.

Begegnung mit den großen und zahlreichen Signalkrebsen stehen an der Tagesordnung.
Begegnung mit den großen und zahlreichen Signalkrebsen stehen an der Tagesordnung.

Ein Hecht liegt für uns im Grün bereit. Ohne mit der Flosse zu zucken, läßt er sich ablichten. Erst als ich mit der Kamera auf Tuchfühlung gehe, sucht er träge das Weite. Von Tauchplattform zu Tauchplattform führt unser Weg tiefer. Immer und überall stoßen wir auf Krebse. In allen Größen sind sie anzutreffen. Vom kaum 2 cm langen "Baby" bis zum gut 20 cm großen "Monster". Die gute Wasserqualität, ohne die ein Auftreten des Signalkrebses schlichtweg unmöglich wäre, läßt sich leicht erklären. Mehrere Quellen reinsten Frischwassers treten am Seegrund aus und ein ständiger Abfluß sorgt für die Selbstreinigung. So ist es auch nicht verwunderlich, daß zumindest außerhalb der Badesaison Sichtweiten bis zu 20 m herrschen können.
In 12 m Tiefe erwartet uns eine UW-Kuppel. Eine alte Badewanne wurde hier zweckentfremdet aber stabil befestigt und dient nun als luftgefüllte Sprechblase. Ein kleiner Barsch hat sich hierher verirrt und scheint sein Spiegelbild in der Wanne zu beobachten. Unsere ausströmende Atemluft lässt seine Illusion jedoch zerplatzen ...

Kapitale Hechte sind im Neufelder See an Taucher gewöhnt und wirken schon fast zutraulich.
Kapitale Hechte sind im Neufelder See an Taucher gewöhnt und wirken schon fast zutraulich.

Bis zur Maximaltiefe des Gewässers in 23 m dringen wir heute nicht vor. Sie ist nur mit guter Ortskenntnis zu finden. Uns zieht es wieder in die oberen Wasserschichten, dort hält sich das meiste Leben auf. Betauchen kann man den See ausschließlich vom Neufelder Strandbad aus, das erst vor wenigen Jahren mit großem Aufwand umgebaut wurde. Neben den zahlreichen Modernisierungsmaßnahmen bestechen vor allem die vielfältigen Jugend-Einrichtungen. wie z.B. ein solarbeheiztes Kleinkinderbecken, oder ein im Wasser treibender "Klettereisberg" für die etwas Größeren. Aber auch der behindertengerechte Rollstuhleinstieg in das Gewässer sollte erwähnt werden. Direkt im Strandbad befindet sich auch eine hervorragend ausgestattete Tauchbasis mit schneller Füllanlage und umfangreichem Leihequipment.

Anreise: Von Westösterreich und Deutschland über die Westautobahn A 1 bis Autobahnknoten Steinhäusl, weiter auf der Außenringautobahn A 21 bis zur Südautobahn A 2 Richtung Wiener Neustadt. Beim Knoten Guntramsdorf auf die Ostautobahn A 3 Richtung Eisenstadt bis zur Abfahrt Hornstein. Von hier ist man in 2 Minuten am Neufeldersee (Richtung Neufeld fahren).

Tauchen: Öffentlicher Zugang zum Neufelder See und somit die Möglichkeit den See zu betauchen, besteht ausschließlich über das Strandbad Neufeld. Vom Boot aus (Bootsverleih oder Tauchbasen) darf man auch den restlichen See betauchen, nicht jedoch die Ufer betreten (Privatgrundstücke)! Nachttauchen ist lediglich an Freitagen und Samstagen erlaubt; Eistauchen nur im Bereich der Bootsvermietung im Strandbad Neufeld. Für die Hauptsaison reicht im flachen, sommerlich sehr warmen Badesee in der Regel ein Nasstauchanzug. Da es diesbezüglich öfters Probleme gibt, wird besonders darauf hingewiesen, dass Harpunieren und Krebsfischen strengstens verboten sind und in jedem Fall zur Anzeige gebracht werden!

Tauchbasis: Tauchsport Lorenc: Im öffentlichen Strandbad der Marktgemeinde Neufeld beeindruckt die PADI 5* IDC Basis mit einem großen Bestand an Leihausrüstungen, leistungsstarken Kompressoren und einem umfangreichen Kursangebot. Es werden auch Bootsfahrten in den taucherisch nicht so frequentierten Norden des Sees angeboten!
Geöffnet: Am Wochenende und an Feiertagen (April-Oktober), im Juli und August täglich und sonst nach Vereinbarung.
Tel. 02624/52700, Fax 02624/52755,
E-Mail: office@lorenc.at; Internet: www.lorenc.at

Das geräumige Areal der Tauchbasis von Tauchsport Lorenc.
Das geräumige Areal der Tauchbasis von Tauchsport Lorenc.

Reisezeit & Saison: Der Neufelder See kann das ganze Jahr über betaucht werden. Die besten Sichtweiten herrschen nach Ende der Badesaison im Herbst und natürlich im Winter unter Eis.

Fauna und Flora: Folgende Fischarten wurden nachgewiesen: Aal, Aitel, Barsch, Bitterling, Hecht, Karpfen, Marmorierte Grundel, Rotauge, Rotfeder, Schleie, Sonnenbarsch, Wels und Zander. Bei den sehr häufigen Krebsen im See handelt es sich um aus Amerika eingeschleppte Signalkrebse (Pacifastacus leniusculus). An Pflanzen dominieren Flächen von Armleuchteralgen. Vor allem im ruhigeren Norden gedeihen aber auch Bestände von Laichkraut und Tausendblatt.

Sonstige Aktivitäten: Baden, Surfen, Segeln, Angeln, Wandern, Radfahren. Wien ist etwa 40 Autominuten entfernt, der Neusiedlersee 20 km und die Ungarische Grenze 25 km.

Weitere Infos: Tourismusverein Neufeld/Neufelder Seebetriebe.
Tel. 02624/53500
E-Mail: office@neufeider-see.at; Internet: www.neufelder-see.at

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http://www.unterwasser-fotos.com/Artikel entnommen aus "das österreichische tauch- und reisemagazin", Ausgabe 2/2004.
Mit freundlicher Genehmigung vom Autor Mag. Wolfgang Pölzer (Text & Fotos).